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Lars BadorrekUngebundener Finanzmakler
Insidertipps

Die fünf häufigsten Fehler im BU-Antrag

15. Juni 20267 Min. Lesezeitvon Lars Badorrek

Die meisten Probleme mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung entstehen nicht im Leistungsfall, sondern beim Ausfüllen des Antrags. Wer Gesundheitsfragen ungenau beantwortet, ohne Voranfrage einen Antrag stellt oder die Rente zu niedrig ansetzt, merkt davon jahrelang nichts. Auffallen tut es erst dann, wenn es darauf ankommt. Diese fünf Fehler sehe ich am häufigsten.

Fehler 1: Die Gesundheitsfragen zu locker beantworten

Das ist mit Abstand der teuerste Fehler, und fast nie steckt böse Absicht dahinter. Die Rückenverspannung vor sechs Jahren, die drei Sitzungen beim Psychologen nach der Trennung, das Gespräch mit dem Hausarzt über schlechten Schlaf: Menschen halten so etwas für unwichtig und lassen es weg.

Der Versicherer sieht das anders. Beim Antrag gilt die vorvertragliche Anzeigepflicht, du musst also alles angeben, wonach gefragt wird. Kommt es später zur Leistungsprüfung, fordert der Versicherer deine Krankenakten an. Und dann steht dort alles, auch das Vergessene.

Die Folgen reichen von einem nachträglichen Leistungsausschluss über einen Rücktritt vom Vertrag bis zur Anfechtung. Im schlimmsten Fall hast du jahrelang Beiträge gezahlt und bekommst im Ernstfall nichts. Die Rechte des Versicherers erlöschen erst nach fünf Jahren, bei arglistiger Täuschung sogar erst nach zehn.

Der Satz, den ich jedem sage

Frag deine Krankenkasse nach der Patientenquittung und deinen Hausarzt nach der Karteikarte, bevor du den Antrag ausfüllst. Das kostet dich zwei Wochen Zeit und macht aus dem Erinnern ein Nachlesen. Es ist die beste investierte Zeit im ganzen Prozess.

Wichtig zu verstehen: Eine ehrlich angegebene Vorerkrankung führt selten zur Ablehnung. Meistens folgt ein Beitragszuschlag oder ein klar benannter Ausschluss. Damit lässt sich leben. Mit einem Vertrag, der im Ernstfall nicht zahlt, nicht.

Fehler 2: Ohne Risikovoranfrage direkt einen Antrag stellen

Wer Vorerkrankungen hat und einfach einen Antrag einreicht, geht ein unnötiges Risiko ein. Denn wird der Antrag abgelehnt oder nur mit Zuschlag angenommen, wird das gemeldet und ist für andere Versicherer sichtbar. Der nächste Anbieter sieht die Ablehnung, bevor er dich überhaupt geprüft hat.

Der bessere Weg ist die anonyme Risikovoranfrage. Dabei wird deine Krankengeschichte ohne deinen Namen an mehrere Versicherer geschickt. Du bekommst Rückmeldungen, wer dich zu welchen Bedingungen annehmen würde, ganz ohne Eintrag und ohne Risiko. Erst danach wird der Antrag dort gestellt, wo das Ergebnis am besten ist.

Für gesunde Antragsteller ohne jede Vorgeschichte ist der Umweg verzichtbar. Sobald aber Behandlungen, Diagnosen oder Medikamente im Spiel sind, sollte kein Antrag ohne Voranfrage rausgehen.

Fehler 3: Die Rente zu niedrig ansetzen

Am Beitrag zu sparen fühlt sich vernünftig an, bis man ausrechnet, wovon man tatsächlich leben müsste. Eine BU-Rente von 1.000 Euro klingt nach viel Geld, bis die Miete abgeht.

Als Orientierung sollte die Rente etwa 70 bis 80 Prozent deines heutigen Nettoeinkommens abdecken. Zwei Dinge werden dabei gern übersehen: Von der BU-Rente gehen je nach Situation noch Steuern ab, und Kranken- sowie Pflegeversicherung zahlst du weiter, bei Selbstständigen in voller Höhe.

Wie groß deine Lücke wirklich ist, rechnest du am besten selbst durch:

Deine Angaben

Was bleibt, wenn du nicht mehr arbeiten kannst?

Szenario
Deine Einkommenslücke
2.400 €/ Monat
Gesetzliche Leistung bei Berufsunfähigkeit0 €
Dein Bedarf2.400 €
Einkommen bis zur Rente auf dem Spiel
1.332.000 €
Empfohlene BU-Rente
2.400 € /Mon.

Unverbindliche Orientierung, keine Versicherungsberatung. Wichtig: Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente greift nur bei allgemeiner Erwerbsminderung (kaum noch Arbeit auf dem gesamten Arbeitsmarkt möglich), nicht, wenn du nur deinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kannst. Bei reiner Berufsunfähigkeit gibt es daher meist keine gesetzliche Leistung (Szenario „Berufsunfähigkeit“ = 0 €). Im Szenario „Erwerbsminderung“ rechnen wir vereinfacht mit ≈ 30 % deines heutigen Nettos (oft weniger), gedeckelt bei 5.100 € Netto, Renteneintritt mit 67. Die tatsächliche Leistung hängt von deinem Versicherungsverlauf ab. Deinen konkreten Bedarf ermitteln wir gemeinsam.

Schätz deine persönliche Lücke ab. Die Werte sind frei wählbar.

Wer sich die passende Höhe heute nicht leisten kann, sollte nicht dauerhaft zu niedrig abschließen, sondern auf Nachversicherungsgarantien achten. Damit kannst du die Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen, etwa bei Gehaltssprung, Heirat, Geburt eines Kindes oder Immobilienkauf. Das ist der elegantere Weg als von vornherein zu wenig abzusichern.

Fehler 4: Endalter, Verweisung und Prognose nicht prüfen

Drei Details im Kleingedruckten entscheiden darüber, ob ein Vertrag im Ernstfall trägt. Sie kosten wenig Aufmerksamkeit und viel Geld, wenn sie fehlen.

  • Das Endalter. Ein Vertrag bis 60 ist günstiger, aber die Jahre zwischen 60 und dem Rentenbeginn sind statistisch genau die, in denen Berufsunfähigkeit am häufigsten eintritt. Das Endalter gehört an den tatsächlichen Rentenbeginn.
  • Die abstrakte Verweisung. Ist sie nicht ausgeschlossen, darf der Versicherer dich auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest, auch wenn du ihn nie ausgeübt hast. In guten Tarifen ist sie ausgeschlossen. Das ist keine Verhandlungssache, sondern Bedingung.
  • Der Prognosezeitraum. Üblich und gut ist die Formulierung, dass eine voraussichtlich sechs Monate andauernde Berufsunfähigkeit ausreicht. Längere Zeiträume verschieben die Beweislast zu deinen Ungunsten.

Dazu kommt die Beitragsdynamik. Eine Rente von 2.000 Euro klingt heute solide, in zwanzig Jahren ist davon spürbar weniger übrig. Warum das so ist, steht im Beitrag zur Inflation.

Fehler 5: Warten, bis der Zeitpunkt gerade passt

Der Beitrag hängt an zwei Dingen, die beide gegen dich arbeiten: an deinem Alter und an deiner Gesundheit. Beides wird jedes Jahr ungünstiger, nie besser.

Wer mit Mitte zwanzig abschließt, zahlt spürbar weniger als mit Mitte dreißig, und zwar über die gesamte Laufzeit. Vor allem aber ist die Krankenakte in jungen Jahren meist noch leer. Genau das ist der Grund, warum Schüler, Azubis und Studierende die besten Bedingungen bekommen, obwohl sie noch gar kein Einkommen absichern müssen.

Wer heute gesund ist und wartet, bis er sich das Thema in Ruhe ansehen kann, riskiert, dass die Entscheidung ihm zwischenzeitlich abgenommen wird. Eine Diagnose kommt nicht mit Vorankündigung. Für junge Menschen, die noch keinen vollen Schutz brauchen, gibt es außerdem die Anwartschaft als Zwischenlösung.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich etwas wirklich vergessen habe? Entscheidend ist, ob dem Versicherer daraus ein Nachteil entstanden ist und ob Vorsatz vorlag. Bei einer echten Erinnerungslücke ist die Lage deutlich besser als bei bewusstem Verschweigen. Wer merkt, dass etwas fehlt, sollte es nachmelden, statt zu hoffen.

Wie weit zurück muss ich Behandlungen angeben? Das gibt der Versicherer im Fragebogen selbst vor, meist fünf Jahre für ambulante Behandlungen und zehn Jahre für stationäre oder psychotherapeutische. Maßgeblich ist immer der Wortlaut der Frage, nicht das Gefühl.

Ist eine Ablehnung das Ende? Nein. Es gibt Versicherer mit unterschiedlichen Annahmerichtlinien, und was der eine ablehnt, nimmt der andere mit Zuschlag an. Genau dafür ist die anonyme Voranfrage da. Zusätzlich gibt es Alternativen wie eine Grundfähigkeitsversicherung.

Muss ich meinen Arbeitgeber informieren? Nein, eine private Berufsunfähigkeitsversicherung geht deinen Arbeitgeber nichts an. Anders ist es, wenn die Absicherung über die betriebliche Altersvorsorge läuft, was aus mehreren Gründen selten die bessere Lösung ist.

Kann ich einen bestehenden Vertrag noch verbessern? Manchmal. Ein Wechsel lohnt sich aber nur, wenn der neue Vertrag steht, bevor der alte gekündigt wird. Alles andere ist gefährlich. Genau dafür gibt es den BU-Check.

Was du daraus mitnehmen solltest

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist kein Produkt, das man online in zwanzig Minuten abschließt. Der Antrag entscheidet über die Leistung, und die Fehler darin fallen erst Jahre später auf, wenn sie sich nicht mehr korrigieren lassen.

Wenn du vor dem Abschluss stehst oder unsicher bist, ob dein bestehender Vertrag trägt, geh die Punkte oben durch. Warum deine Arbeitskraft überhaupt der größte Wert ist, den du absichern kannst, steht im Beitrag zur Berufsunfähigkeit. Alles zur Absicherung selbst findest du unter Berufsunfähigkeitsversicherung.

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